Was sie verbindet, mag vielleicht nicht auf den ersten Blick erkennbar
sein, zumal auch die Autoren unterschiedlicher kaum sein könnten:
Erich Fried wurde als Kind jüdischer Eltern in Österreich geboren. Sein Vater starb an den Folgen eines Verhörs durch die Gestapo, er selbst entkam dem Holocaust nur durch die Flucht nach England. Die österreichische Staatsbürgerschaft wurde ihm entzogen, 1949 wurde er britischer Staatsbürger. Seine politische Heimat jedoch war nicht an einen Pass gebunden, sie war immer dort, wo das Herz ist: links.
Giuseppe Ungaretti wurde im ägyptischen Alexandria geboren, seine italienischen Eltern waren dorthin ausgewandert, der Vater war als Ingenieur am Bau des Suezkanals beteiligt.
Ungaretti ging nach Italien zurück, um auf dessen Seite am 1.Weltkrieg teilzunehmen. In den dreissiger Jahren war er Mitarbeiter des Aussenministeriums. Er unterschrieb damals Veröffentlichungen nicht nur mit seinem Namen, sondern auch mit dem Zusatz "Faschist" und widmete einige seiner Gedichte Mussolini, um 30 Jahre später den antifaschistischen Widerstand mit einem berühmten Gedicht zu ehren.
Robèrt Lafont gilt als ein Vordenker der okzitanischen Bewegung in Frankreich, seine Muttersprache ist Okzitanisch. Er wurde international bekannt, als er im Gefolge der 68er-Bewegung und des entstehenden Ökologismus in Frankreich 1974 eine Kandidatur zu den französischen Präsidentschaftswahlen versuchte.
In dem von ihm hier zu lesenden Text wird das thematisiert, was auch die beiden anderen Autoren verbindet - die Suche nach Identität in jener Welt, wo ein Mensch Gleicher unter Gleichen ist.
Und da für alle drei dabei die Sprache sowie ihr Umgang damit von zentraler Bedeutung ist, sind neben den deutschen Texten auch immer die originalen Sprachen zu lesen.